24.11.15

London: Lernen, lachen, leben

Hallo geehrte Besucher der Azubiseite,

in den letzten Monaten habe ich eine Menge an neuer Eindrücke über die Ausbildung zum Immobilienkaufmann gewonnen.

Unsere Berufsschule bot Anfang September den Auszubildenden der Immobilienwirtschaft eine Weiterbildungsreise in London an.

Diese Gelegenheit ließ ich nicht an mir vorbeigehen. Ich hatte mich unverzüglich dafür eingetragen und hoffte auf die Zustimmung der Schule.

Unter Absprache mit dem Vorstand der Baugenossenschaft Ideal wurde mir dieses Abenteuer bis Mitte Oktober letztendlich genehmigt. Ich erhielt die Möglichkeit mich in London zu beweisen.

Ziel dieser Reise war es einen anderen Immobilienmarkt kennenzulernen; und welche Stadt, wenn nicht London, würde sich dafür am besten eignen. Ich erläutere kurz warum das so ist:

In London hat sich der Immobilienmarkt im letzten Jahrhundert extrem verändert. Viele Teile Londons waren am Anfang des 20. Jahrhunderts von Armut geprägt. Im Laufe der Zeit änderte sich das Stadtbild, denn die Stadt entwickelte sich zu einer Dienstleistungs- und Wirtschaftsmetropole.

Viele alte Gebäude wurden, besonders in den Wirtschaftszentren, durch moderne Hochhäuser ersetzt und die Randgebiete Londons erweitert.

Hinzu kam, dass die Bevölkerung rapide zunahm. Die Immobilienpreise stiegen dadurch ins unermessliche. Die Nachfrage übersteigt nach wie vor das Angebot.

Entscheidend dafür ist aber auch die Einstellung der Bevölkerung gegenüber dem Immobilienmarkt. Sie interessieren sich mehr dafür ein bereits bestehendes Haus zu kaufen und lehnen Mietverhältnisse grundsätzlich ab. Miete ist für Londoner quasi ein Begriff, den sie nur dann verwenden, wenn sie es müssen, d.h. wenn sie sich den Kauf einer Immobilie nicht leisten können. Dies ist besonders in den letzten Jahren vermehrt der Fall, da sämtliche Preise, trotz der vergangen Wirtschaftskrise 2011, rapide anstiegen und weiterhin am Steigen sind. Ein Londoner muss im Schnitt sein 9-faches jährliches Einkommen für eine Immobilie ausgeben. Ermöglicht wird dies meistens unter Inanspruchnahme von Krediten. Die Kredite und auch die Zahlen aus den Statistiken, so haben wir es im Unterricht gelernt, weisen auf eine bevorstehende Wirtschaftskrise hin. Das ist natürlich heftig, wenn man bedenkt, dass die letzte Wirtschaftskrise gerade mal 4 Jahre her ist.

Sie sehen also, warum ich es als sinnvoll erachtete, diesen Markt in meiner Ausbildung kennenzulernen.

Unsere Tagesgestaltung wurde geprägt durch das typisch englische Frühstück mit der Gastfamilie, sechs bis acht Stunden intensivem Unterricht inkl. Vorbereitungszeit inmitten von Hochhäusern des Wirtschaftszentrums, um uns auf die dort zu bewältigende Prüfung vorzubereiten, und anschließend natürlich Sightseeing, was für uns nicht zu kurz kam.

Am Ende des dreiwöchigen Aufenthalts legten wir die mündliche und schriftliche Prüfung ab. Eine Zusammenfassung über unseren Vortrag müssen wir in Berlin erstellen, um bewertet werden zu können.

Ich bin gespannt auf meine Beurteilung und auf mein Zeugnis, aus dem ich später große Vorteile ziehen kann.

London war sehr nützlich für meine Ausbildung. Es hat mir gezeigt, wie anders der Markt verglichen mit unserem ist. Geprägt sind diese Unterschiede durch mehrere Faktoren, aber ausschlaggebend ist die andere Lebensweise der Britten. Es hat Spaß gemacht für einige Wochen Teil dieser Lebensart zu sein. Wir haben viel miteinander gelacht, gelernt und gelebt.

Es ist paradox, dass der Begriff „Immobilie“ aus dem Lateinischen stammt und eigentlich die Bedeutung „unbeweglich“ hat, wir Immobilienkaufleute aber trotzdem regelmäßig neue Ortschaften besuchen.

Es war nicht nur lehrreich und nützlich, sondern auch abenteuerlich und lustig. 

Sincerely,
Silvio Stein